Krieg in Zeiten des Friedens - eine Annäherung an Wahrnehmungen von kriegerischen Auseinandersetzungen einst und heute.
Schulprojekt mit der Klasse Lambda der W@lz (Wiener Lernzentrum).
Als SchülerInnen einer privaten kreativ und sozial orientierten Oberstufenschule vergegenwärtigen die Jugendlichen globale Konflikte aus persönlicher Perspektive. Das Thema Krieg ist schulisch vornehmlich im geschichtlichen Bereich verankert und erfährt hauptsächlich eine historische Aufarbeitung. Auf welchen Standpunkten sich die Jugendlichen zu weltweiten aktuellen kriegerischen Konflikten im Hinblick aus ihrer biografischen Erfahrung (Grosseltern und Urgrosseltern) befinden und urteilen, bleibt weitestgehend unberührt. Entscheidend hierbei scheint die Frage der „aussterbenden Generation“ von noch lebenden Zeitzeugen und ihren Überlieferungen zu sein. Dieses kollektive Wissen geht verloren. Das gefährdet heute einmal mehr die Bereiche Toleranz, Offenheit und Friedfertigkeit in Konflikten aufzuweichen - sowohl in der Realität als auch im medialen Spielbereich und in der Friedenserziehung der zukünftigen Kinder heutiger Jugendlicher. Die Auseinandersetzung mit medialer Kriegsberichterstattung heute ist hierbei als grosse Herausforderung anzusehen.
INHALT
Kein Tag vergeht ohne die Meldung kriegerischer Auseinandersetzung in den Medien. Krieg bestimmt ebenso wie die grossen Naturkatastrophen unseren globalen „Schreckensalltag“. Durch das Zeitalter der neuen Medien erwecken Auseinandersetzungen, die nicht unmittelbar in Europa stattfinden (und selbst da nicht mehr, siehe die jüngsten blutigen Unruhen im Kosovo), kaum noch unser Interesse, schon gar nicht unser Engagement. Dass und wie wir uns zu kriegerischen Auseinandersetzungen generell verhalten (Interventionen der USA z.B.: derzeit in Afghanistan und Irak, Darfur Konflikt, Nahost Konflikt, Kaschmir, kurdischer Konflikt, Konflikte in der Republik Kongo und in Somalia), ist eine Frage der Aktualität der Medienberichterstattung. Kriege wie der Bürgerkrieg in Tschetschenien (der immer wieder aufflammt und zahlreiche Opfer fordert) erhitzen unsere Gemüter längst nicht mehr so wie die globale Finanzkrise. Jugendliche haben zudem einen Zugang zu Krieg, der sich nicht mehr aus biografischen Erfahrungen von Familienmitgliedern speist. Hat die Generation der jetzt 30-jährigen noch mitunter Grosseltern, die Kriegsopfer oder -Täter waren, so ist in der Generation der jetzt 15 bis 18-jährigen meist kein Familienmitglied mehr Opfer oder gar Täter in kriegerischen Auseinandersetzungen gewesen. Allein Flüchtlinge haben noch einen unmittelbaren Kontext zum Thema, sei es in erster oder Folge-Generationen. Die Walz ist eine Wiener Privatschule, die jedoch einen verschwindend geringen Anteil an Flüchtlingskindern aufweist. Daher ist es auch für diese SchülerInnen Klientel von Wichtigkeit, sich dem Thema anzunähern.
Wie sich Krieg in Lebensvorstellungen und Werten von derzeit Heranwachsenden verortet, soll Gegenstand dieses Projektes sein. Die meisten Jugendlichen sind gross geworden mit Computerspielen, die eindeutig kriegerische Auseinandersetzungen zum Gegenstand haben, sie kennen Kriegsspielzeug aus früher Kindheit. Wer aber heute eine Spielwarenhandlung betritt, wird staunen, dass Panzer und Maschinengewehre, Kriegshelden und Brutalität längst wieder ,salonfähig‘ geworden sind. Für Kinder ab 2 Jahren. In den 70-er Jahren hat sich eine ganze Generation von Eltern dagegen aufgebäumt.
Es werden für diese Projekt 4 Arbeitsgruppen eingeteilt: 1) Familie, 2)
Medien, 3) Warenwelt, 4) Videodokumentation.
- Die SchülerInnen werden sich in Auseinandersetzung mit ihren Familienmitgliedern (Eltern, Grosseltern, Urgrosseltern und anderen Verwandten) dem Gegenstand ,Krieg‘ aus Perspektiven des Einst und Heute nähern. Dies geschieht in Form von Interviews, die im Unterricht erarbeitet werden. Sie vergleichen Werte-Haltungen, Motive und Meinungen und dokumentieren diese in dokumetarischer Umsetzung (die Biografien der Interwiews werden in Geschichten subsummiert und für ein Biografie-Speed-Dating vorbereitet).
- Die SchülerInnen untersuchen die Bereiche Print, digitale und neue Medien (im Vergleich Österreich 1970 und heute) und verarbeiten ihre Eindrücke in Collagen und Skulpturen.
- Die SchülerInnen recherchieren zum Thema ,Krieg‘ in der Konsumwelt und der Werbung (im Vergleich Österreich 1970 und heute) und dokumentieren die Ergebnisse in einer kleinen Fotoausstellung.
- Eine kleine Gruppe von SchülerInnen dokumentiert die wesentlichen Arbeitsprozesse des Gesamtprojekts per Video und schneidet eine Dokumentation.
Eine Aufführung der biografischen, bildnerischen und filmischen Aufarbeitung soll die Schule an einem öffentlichen Abend in Form einer schulischen Installation (Ausstellung mit Fotos und Objekten, Speed-Dating, Filmraum) beleben. Die Speed-Datings werden in 15-Minuten-Einheiten dem Publikum angeboten. Jede/r Experte erzählt darin in Ich-Form ein/e persönlich aufgenommene Geschichte/Anekdote/Erlebnis über Kriegsereignisse aus fremdem biografischen Kontext für fremde ZuhörerInnen.


